Grzly Adams beim Red Bull Thre3style

DJ Competitions – Kann man die Qualität von DJs messen?

Wann ist ein DJ gut und wer entscheidet das?

Um die Frage zu beantworten, ob man die Qualität von DJs messen und vergleichen kann, muss man sich zunächst überlegen, was die eigentliche Aufgabe eines DJs ist. Zwar sind wir uns darüber einig, dass das Abspielen von Musik jenes Fundament bildet, was alle Disziplinen des DJings vereint. Doch die verschiedenen Einsatzgebiete verlangen unterschiedliche Fähigkeiten. Denn die Bedürfnisse eines Club-Publikums unterscheiden sich von denen eines Longdrink trinkenden Gastes auf einem Corporate Event.

Die Digitalisierung hat das Auflegen verändert

Neben der Musikauswahl gibt es weitere Möglichkeiten eine DJ-Performance zu gestalten. Die Art des Mixings, Scratching, Audioeffekte – all das kann den Charakter eines DJ-Sets prägen. Durch die Digitalisierung ist es heute möglich Audioinhalte in Echtzeit zu loopen, zu filtern, deren Tonhöhe zu verändern und innerhalb eines Musikstücks auf der Zeitachse hin und her zu springen, ohne, dass der Zuhörer das wahrnimmt. Die Technik ist nicht mehr nur auf zwei Plattenspieler und einen Mixer beschränkt. Vielmehr ist heutzutage alles möglich in einem Bereich zwischen einem einfachen Plattenspieler und einem kompletten Tonstudio. Die Grenze zwischen Auflegen und Produzieren ist mittlerweile fließend.

DJ Competitions

Die bekanntesten DJ-Competitions sind hauptsächlich Turntablism-Wettbewerbe, bei denen technische Fähigkeiten wie Scratching oder Beat-Juggling bewertet werden. Aber durch die stetige Veränderung des Auflegens, sind auch die traditionellen Wettbewerbe dazu übergegangen sich zu öffnen und in neuen Disziplinen digitale Technik zuzulassen. Ein wesentlicher Nebeneffekt der Digitalisierung ist die Möglichkeit Musik im Vorfeld zu editieren und seinen Bedürfnissen anzupassen, was bei Schallplatten nicht möglich ist. Dadurch verschieben sich die Anforderungen an die teilnehmenden DJs vom reinen Auflegen in Richtung (Vor-)Produzieren der Tracks.

DMC World DJ Chamionships

Die jährlichen DMC World DJ Championships wurden 1985 gegründet und waren ursprünglich als Mixing-Wettbewerb geplant. Im Jahr 1986 verwendetet DJ Cheese zum ersten Mal Scratching in seiner Routine und bereitete den Weg zu einem reine Turntablism-Wettbewerb. Die DJs können sich in vier unterschiedlichen Disziplinen messen. Zu den Deutschen Preisträgern zählen die DJs David, Rafik, Pro Zeiko und Unkut.

IDA World Championships

Seit 2007 veranstaltet die IDA (International DJ Association) als Nachfolger der ITF (International Turntablist Federation) ihren Wettbewerb von Krakau aus. Die DJs können sich in drei unterschiedlichen Disziplinen messen. Der Wettbewerb legt seinen Fokus ebenfalls auf technische Fertigkeiten beim Auflegen und ist, genau wie die DMC Championships, auf Turntablism ausgelegt.

Red Bull Thre3style World DJ Championships

Ein besonderer Wettbewerb für DJs ist der 2010 ins Leben gerufene Red Bull Thre3style. Im Vergleich zu den traditionellen Wettbewerben haben die DJs hier 15 Minuten Zeit sich der Jury und einem Publikum zu präsentieren. Bei anderen Wettbewerben sind die Runden kürzer mit einer Dauer von 60 Sekunden bis zu 6 Minuten. Darüber hinaus werden hier neben den technischen Fähigkeiten Originalität, Musikauswahl, Persönlichkeit und Publikumsreaktionen bewertet. Die gespielte Musik muss aus mindestens drei Genres ausgewählt werden.

Auch wenn man sich mit diesen Regeln den Herausforderungen eines Club-DJs annähert, haben die 15-minütigen Sets immer noch einen Showcharakter und unterscheiden sich inhaltlich von mehrstündigen Club-Set.

Technische Skills lassen sich besser bewerten

Die technischen Fähigkeiten in einem kurzen DJ-Set mit Showcharakter lassen sich leichter und objektiver bewerten als die Musikauswahl von einem mehrstündigen Club-Set vor einem tanzenden Publikum. Daher ergibt es durchaus Sinn DJs hauptsächlich in technischen Disziplinen gegeneinander antreten zu lassen.

Wie sehr ein DJ in seiner Disziplin überzeugt, lässt sich durch ein tanzendes Publikum, einen glücklichen Kunden oder durch eine überzeugte Jury ausdrücken. Ob und wie gut man das messen kann, ist eine andere Frage. Am Ende ist wichtig, dass ein DJ unterhält.

Steve Clash ist Gründer und Inhaber von Superbooking. Der in Berlin lebende Diplom-Wirtschaftsingenieur hat mit seiner 20-jährigen Erfahrung als Club-DJ und seiner Fachkenntnis im Bereich Veranstaltungstechnik die besten Voraussetzungen für das Vermitteln von DJs an Corporate Events.

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